Zweite setzt ein Ausrufezeichen

Liebe CaissanerInnen,

am 15.02.2025 trafen wir auf die - bis dato - ungeschlagenen Herrschaften aus Göggingen 2, die potenziell ganz famos und namhaft gegen uns aufstellen konnten. Da wir Schneewittchen zu Hause vergessen hatten, liefen nur die sieben Zwerge vom Perlachturm ein, um dem allerschönsten Kader den Zauberspiegel vorzuhalten. Vor der AWO standen schon Georg und Mattis zusammen und taktierten, welches Brett wir bestenfalls freilassen sollten – ein Gedanke mit dem ich bis dahin noch gar nicht gespielt hatte. Gerne nahm ich den Input auf und ließ unser Brett 3 verwaist.

Meine ehrlicherweise nicht allzu große initiale Hoffnung hier gegen die Hausherren – trotz deren nicht optimaler Aufstellung - in Unterzahl viel ausrichten zu können, kleidete sich nach dem ersten Rundgang dann doch in Siebenmeilenstiefeln, weil ich wenig besorgniserregendes und viel erfreuliches erblickte. Stefan grinste mich nach 1. b4 b6 breit an und ich wusste, dass zumindest einer von uns mit den schwarzen Steinen heute ein Spiel ganz nach Kragenweite bekommen würde. Zudem standen Roman, Mattis und Jan nach der Eröffnung ganz vortrefflich in besseren Stellungen, während es bei Markus und Georg an unseren beiden ersten Brettern für mich noch undurchsichtig ausschaute. Ich rechnete grob hoch und stellte fest, dass ich an meinem Brett besser schnell meine Siebensachen sortieren sollte, denn es lag zumindest ein Mannschaftspunkt in der kalten Abendluft.

Nachdem schon über eine Stunde gespielt worden war, bahnte sich dann wie erhofft an den unteren Brettern die Lawine den Weg zur rasanten Gögginger Talfahrt. Mattis nahm an Brett 6 gut Zeit in die Hand und rechnete sich hochkonzentriert durch das Mittelspiel, in dem er den weißen Damenflügel systematisch aufbrach, um sich die weißen Felder für das Figurenspiel freizukämpfen. Schließlich versenkte er, ohne weiß die Chance auf eine Rochade zu lassen, seinen Springer mit Tempo auf den Turm auf das entblößte b3-Feld. Statt die Qualität für den Prachtgaul zu geben, klammerte sich der Gögginger an sein Material und geriet wenige Züge später ganz böse unter die Räder, nachdem Mattis unerbittlich mit seinen Lichtfiguren und einer Fesselung durch seine Dame die Schwächen der wackligen weißen Stellung offenlegte. Nach 20 Zügen war der Gögginger in hoffnungsloser Stellung restlos überspielt und reichte die Hand. Nach einer weiteren beeindruckenden Angriffspartie steht unser Youngster mit 4 aus 4 auf Platz 2 der ligaweiten Bestenliste und man munkelt, dass er durchaus Ambitionen hat, MVP dieser Saison zu werden – wir drücken ihm dafür natürlich alle Daumen, die wir haben.

Gegen Jan an Brett 5 versuchte es der Gögginger gleich zu machen und auf dem Damenflügel mit Schwarz zu expandieren. Dies stieß aber nicht auf caissanische Gegenliebe, sondern konkretes Gegenspiel am Königflügel, durch das Jan sich nicht nur das Läuferpaar, sondern schließlich sowohl die Qualität, als auch zwei klare Mehrbauern sicherte. Für den Gögginger war gegen das Mehrmaterial nicht viel auszurichten – wir gingen doch tatsächlich früh in Führung.

An Brett 8 fand Roman, der mir das Spiel gerade noch auswendig zuschickte, taktisches Spiel gegen einen deplatzierten weißfeldrigen Läufer auf b3, bot den weißen Steinen allerdings noch komplizierte Möglichkeiten, sich aus dem Schlamassel wieder herauszuwinden. Die Gögginger Rechenkünste fanden den Weg zum Stellungsausgleich allerdings nicht und so sah sich Roman früh mit Mehrfigur und schließlich auch mit Mehrbauer in einem angenehmen Mittelspiel, das er problemlos zum Brettpunkt verwandeln konnte - 1 zu 3.

Die Partie von Markus habe ich für den Spielbericht leider nicht parat, dessenthalben habe ich nur halbgare Eindrücke, was an unserem ersten Brett so passiert ist. Die Stellung sah für mich auch zu kompliziert aus, um mich da hineinzudenken, während ich am eigenen Brett noch ordentlich zu kämpfen hatte. Am Ende duftete es dank einer schwarzen Dame in Markus Stellung nach einem Dauerschach – ich schätze so kam das zu dem Zeitpunkt durchaus wichtige Remis dann auch zustande. Umso mehr freue ich mich auf den nächsten Vereinsabend (jeden Donnerstag ab 20 Uhr, Gäste immer willkommen), an dem ich mir von ihm die Partie nochmal ausführlich zeigen lassen kann und sicherlich dabei wieder etwas Neues lerne. Mit 1 ½ zu 3 ½ brauchten wir also nur noch irgendwelche Brettpunkte, um die Heimfahrt nicht mit leeren Händen anzutreten.

Bei Stefans viertem Brett sah es erfreulicherweise schon länger ganz vorzüglich für Caissa aus. Die vorgeschobenen weißen Bauern nutzte er, um sich die C-Linie frei zu hebeln und im Zusammenspiel zwischen Turm und agilem Springer das Läuferpaar zu sichern. Geradezu lehrbuchhaft, gar liebevoll, kümmerte es sich um das Wohlbefinden seiner Figuren und brauch das weiße Zentrum auf, um seinen Läufern auch noch die gewünschten Diagonalen bieten zu können. Mit den Schwerfiguren auf der einzigen offenen Linie und unter dem Kreuzfeuer zweier Läufer gab die weiße Stellung zusehends den Geist auf und konzessionierte uns die beiden Mannschaftspunkte – 1 ½ zu 4 1/2. Mit der ansehnlichen Partie kann er uns hoffentlich beim nächsten Vereinsabend vorführen, wie effektives Figurenspiel meisterlich aussehen kann.

An meinem Brett 7 standen die Vorzeichen im angenommenen Damengambit schon früh auf langwieriges Endspiel, nachdem wir zügig das Brett entholzten. Meine Trümpfe in der Stellung waren dabei ein paar Mehrtempi, die ich ausnutzen konnte, um einen Bauern aufzugabeln. Schwarz versuchte sein Glück im Gegenspiel, zeigte sich mir strategisch deutlich überlegen, peitschte meinen orientierungslosen Springer auf Irrwege quer über das Brett und sammelte meinen Mehrbauern zur Ausgleichsstellung wieder auf – so kann man den Eröffnungsvorteil auch verspielen. Nachdem ich mich wieder etwas berappelt hatte, fand mein weit gereister Springer gegen den schwarzfeldrigen Läufer wieder die richtigen Felder und gabelte sich erneut einen Bauern vom Brett. Schwarz versuchte sich wieder im dynamischen Angriffsspiel, griff aber zu einem voreiligen Figurenopfer, das ich entschärfen konnte - 1 ½ zu 5 ½.

Bei Georg an Brett 2 versuchte sich der Gögginger mit einem taktischen Schlag gegen einen überarbeiteten Bauern in unserem schwarzen Zentrum, den Georg kämpferisch damit beantwortete, dass seine Dame kurzerhand den b2-Bauern umholzte. Daraufhin entfachte ein taktisches Gemetzel, das Schwarz mit einem Mehrbauern verließ. Nachsetzend versuchte Weiß mit weiteren Bauernopfer sein Bestes, um Georgs Königstellung aufzubrechen und den Angriff irgendwie am Leben zu halten. Doch Georg konnte kühlen Kopf bewahren und fand die richtigen Züge, um seine Stellung zu konsolidieren und die Kontrolle am Brett nach und nach an sich zu reißen. Schließlich erwischte er den Gögginger mit heruntergelassener Hose und fand mit einem Damenschach einen Doppelangriff auf den verbliebenen weißen Springer, um sich nicht nur weiter Mehrmaterial zu sichern, sondern dem weißen Angriff den letzten Zahn zu ziehen. Ohne Gebiss sah sich der Gögginger nunmehr einer eigenen luftigen Königsstellung ausgesetzt, die Georg, der mit Posaunen und Trompeten zum finalen Gegenangriff blies, mit Turm und Dame zum 1 ½ zu 6 ½ malträtierte.

Wenn auch etwas morbide, aber durchaus zutreffend, sprach der gegnerische Mannschaftsführer von einer heutigen „Hinrichtung“, die ich auf diese Weise ganz bestimmt nicht kommen sah. Allerdings zeigten alle unsere Spieler einen formidablen Kampfgeist mit bärenstarkem Spielwitz, dem ich nur demütig frenetischen Applaus zollen kann – das war mit Sicherheit unsere beste Saisonleistung, auf die wir auch stolz sein dürfen.

Es ergibt sich eine Tabelle mit ganz viel Spielraum für späte Wunder, wenn wir unseren Lauf aufrechterhalten:

  1. SGA 2 8 - 2 MP 26,0 BP
  2. Gersthofen 1 6 - 2 MP 18,5 BP
  3. Göggingen 2 6 – 2 MP 18,5 BP
  4. Kriegshaber 4 4 – 6 MP 17,5 BP
  5. Caissa 2 4 – 4 MP 17,5 BP
  6. Schachfreunde Augsburg 5 2 – 6 MP 12,5 BP
  7. Thierhaupten 0 – 8 MP 9,5 BP
Zweite setzt ein Ausrufezeichen
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