Zweite verliert im Saisonauftakt
Liebe CaissanerInnen und Caissaner,
bei unserem Saisonauftakt am 12.10.2024 daheim gegen die Schachfreunde 5 grüßte uns ideales Schachwetter – ab und an ein leichter Nieselregen und frischer Wind bei Temperaturen, die man an einem Samstagabend wohl ohnehin nur auf dem heimeligen Sofa ertragen hätte. So waren wir nach der langwierigen Spielpause immerhin endlich wieder in unserer lauschigen Runde aus wohlvertrauten Gesichtern und hofften, es heute den Gästen aus Oberhausen richtig ungemütlich machen zu können.
Da unseren oberen drei Bretter ausfielen, rechnete ich mir dort harte Kämpfe aus, versprach mir aber aufgrund unseres breiten Kaders einige Brettpunkte an den unteren Brettern, um den Gästen den Schneid abzukaufen. Doch genau an den unteren Brettern kamen wir früh ins Straucheln und bei vielen von uns sah es auch auf dem Spielfeld nach schlechtem Wetter aus – es braute sich der perfekte Sturm für uns zusammen.
Andi hatte an Brett 6 leider untypischerweise einen rabenschwarzen Tag und entblößte seinen Springer, dem der Gegner beherzt mit seiner Dame die Hufen stutzte. Pflichtbewusst versuchte Andi die Flucht nach vorne und gab sein Bestes unter weiterer Hingabe von Spielmaterial noch einen verzweifelten Angriff zu konstruieren. Aber der Schachfreund erwies sich als zu abgebrüht, um sich davon aus der Ruhe bringen zu lassen und holte die Führung für die Gäste.
Wie immer war Marc an Brett 8 mit den weißen Steinen in der Eröffnung ganz in seinem Element und erspielte sich eine deutlich bessere Stellung. Die versuchte er auszubauen, indem er sich mit der neu antrainierten Geduld am Damenflügel mehr Raum sicherte, wobei die Stellung eine konkrete Behandlung am Königsflügel verlangte. Hier hätte er zeitnah mit einem Bauernvorstoß kaltblütig die Klinge ansetzen müssen, um sich den entscheidenden Materialvorteil zu sichern. So rettete sich der Schachfreund noch in ein Endspiel, in dem es für beide Seiten nichts mehr zu holen gab.
Kseniia ließen an Brett 7 ihre sonst so gründlichen Kalkulationen im Stich, als sie schon früh in der Partie eine volle taktische Breitseite einstecken musste, von der sie sich nicht erholen konnte. Ein paar Züge später ging der lichterloh brennende Kahn dann völlig unter – Kopf hoch Käpt‘n, das kann jedem passieren.
Bei Jan an Brett 4 frage ich mich immer, wie oft der gute Mann Schach spielt. Wenn er regelmäßig trainiert scheint es gut zu funktionieren, wenn nicht, dann hat er einfach richtig viel Talent. Denn von der Spielpause völlig unbeeindruckt spielte er sein gewohnt routiniertes Spiel mit dem er uns einen halben Brettpunkt erkämpfte. Nach der Hälfte der Partien stand es also 1 zu 3 für die Gäste.
An Brett 2 kam Harald schon früh in der Partie zwei Bauern in Rückstand. Als ich regelmäßig vorbeischaute und kurz die Materialsammlung überflog, sah ich auch, dass er sich das verlorene Holz nie zurückholen konnte. Vielmehr sah es immer schlechter für unseren Veteranen aus, als der Gegner die Partie kaltblütig abwickelte und sich der Materialunterschied bei zusehends weniger Figuren immer deutlicher bemerkbar machte. An dem Brett gab es für uns leider nichts mehr zu holen – 1 zu 4.
Spätestens ab jetzt waren wir zum Siegen verdammt, da jeder Brettpunkt den Gästen die vollen 2 Mannschaftspunkte sicherte. Es begann das große Schwitzen an den verbliebenen 3 Brettern. Mattis spielte an Brett 4 neben mir, weswegen ich aus erster Reihe sein Bauernopfer in der Eröffnung zu Gesicht bekam, das er sich wohl genau angeschaut hatte. Denn die Materialvergabe erwies sich als durchaus berechtigt, da er einen dynamischen Vorteil auf den schwarzen Feldern genoss – insbesondere indem ein hämischer dunkler Läufer dem schwarzen König mit herausgestreckter Zunge die Rochade versagte. In dieser famosen Stellung wollte unser Houdini aber zu viel zaubern und ließ, statt seinen Gegner, kurzerhand seinen gesamten Vorteil verschwinden, da er übersah, dass dieser sich auf seine Tricks nicht einlassen musste, sondern sein angebotenes Qualitätsopfer einfach ausschlagen konnte. Doch Mattis ließ sich von seiner Einlage mit Schönheitsfehler nicht beirren, sondern spielte gefasst weiter und stellte seinen Gegner mit seinen verbliebenen Requisiten vor neue Probleme, die er dieses Mal nicht überzeugend aufzulösen vermochte. Konnten wir etwa mit dem 2 zu 4 noch die große Aufholjagd starten?
Stefan hatte das prestigeträchtige Brett 1 ganz für sich und musste sich dort gegen die englische Eröffnung des Primus der Gästemannschaft zur Wehr setzen. Doch er kannte sich augenscheinlich gut dagegen aus und überführte die Partie in ein ausgeglichenes Mittelspiel, in dem den weißen Steinen aber der Raumvorteil verblieb, den der Schachfreund immer weiter ausbauen konnte. Die einzige Chance, die sein Gegner ihm ließ, sich mit einem forcierten, vorteilhaften Abtausch durch einen Springerzug aus dem Würgegriff herauszuwinden, verpasste er hierbei leider. Stattdessen münzte der Schachfreund seinen positionellen Vorteil in einen gedeckten Freibauern um und nahm Stefans Bauernduo am Damenflügel mit seinen Schwerfiguren aufs Korn. Mit so konsequentem Spiel sicherten sich die Gäste also den nächsten Brettpunkt und damit bereits den Mannschaftssieg.
Am nunmehr zur Irrelevanz degradierten Brett 5 hatte ich zunächst gar nichts zu melden, da sich mein Gegner als König Menelaos von Oberhausen versuchte, der mit einem listigen griechischen Opfer liebäugelte, um meine schwarze Festung bis auf die Grundmauern zu schleifen. Als klar wurde, dass ich zumindest nicht gänzlich freiwillig Tür und Tor zu öffnen gedachte, packte er mit den Bauern den brachialen Rammbock aus und erprobte den frontalen Sturmangriff, den er dominant im gesamten Mittelspiel mit immer neuen Ideen und neuen Truppen befeuerte, die sich unnachgiebig um meinen König schaarten. Um ein Haar wäre mir mein eigener Holz-Gaul um die Ohren geflogen, den ich doch noch auf das falsche Feld beförderte. Mir war aber das Schlachtenglück hold, da mein angriffslustiger Kontrahent die angebotene Bresche in meiner behelfsmäßig geflickten Mauer nicht ausnutzte. Der Sturm auf meine Bastion mündete somit in eine ausgeglichene, offene Feldschlacht von zwei rivalisierenden Türmen und den verbliebenen Bauerntruppen, aus der ich denkbar knapp und schweißgebadet als Sieger hervorging. Mein Troja ist zwar heute nicht gefallen, der Krieg unseres ersten Spieltags aber dennoch mit 3 zu 5 verloren – wehe den Besiegten.
Im Übrigen setzte sich Kriegshaber um Haaresbreite gegen Thierhaupten mit 4 ½ zu 3 ½ durch. Gersthofen 1 unterlag mit 2 zu 6 gegen die SGA 2, die sich vorläufig an die Tabellenspitze setzt. Göggingen 2 hatte spielfrei.
Damit sieht die Tabelle nach dem zweiten Spieltag wie folgt aus.
- SGA 2, 4 MP bei 11,5 BP
- Schachfreunde Augsburg 5, 2 MP bei 7,5 BP
- Gersthofen 1, 2 MP bei 7,5 BP
- Kriegshaber 4, 2 MP bei 7 BP
- Göggingen 2, 2 MP bei 5,5 BP (bereits pausiert)
- Thierhaupten, 0 MP bei 6 BP
- Caissa 2, 0 MP bei 3 BP (bereits pausiert)
Für uns war das zwar nicht der wunschgemäße Auftakt, doch die Saison ist noch jung und die Messe nicht gelesen – wer weiß schon, wie sich das Ganze in den nächsten Monaten entwickelt. Wir schauen jetzt einfach gemeinsam und gelassen auf das nächste Spiel am 23.11.2024 auswärts gegen Gersthofen 1, wo wir unser Bestes versuchen werden, wieder in die Erfolgsspur zu kommen!
Wir freuen uns auch über Besuch bei unseren Spielabenden, immer donnerstags ab 20:15 Uhr im 1. OG der Kresslesmühle, über dem Café 13. Alle Interessierten, egal welcher Spielstärke, sind herzlich willkommen!